Akupunktur & Dry Needling

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine mehr als 3.500 Jahre alte Erfahrungsmedizin. Demnach kann eine Krankheit oder Befindlichkeitsstörung nur dann verstanden werden, wenn man den Organismus ganzheitlich betrachtet. Gesundheit im Sinne der TCM ist ein Zustand des dynamischen Gleichgewichts sowohl innerhalb des Organismus als auch zwischen Mensch, bzw. Tier und Umwelt. Wird dieses Gleichgewicht gestört, so entsteht Krankheit. Das Verhältnis zwischen Yin und Yang stimmt nicht mehr. Ziel der Akupunktur ist es, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen und dadurch die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Man spricht auch von einer “funktionellen Medizin”.

3nadelAkupunktur an Tieren wurde ebenfalls bereits vor 3.500 Jahren durchgeführt und erfolgreich bei einer Vielzahl von Problemen des Tieres eingesetzt. Dazu zählen auch Schmerzen, Arthritis, Erkrankungen von Herz, Lungen und Nieren, Störungen des Hormonhaushaltes, der Verdauung, Allergien und mentale Probleme, wie beispielsweise Angststörungen. Auch in der Schmerztherapie und bei Störungen des Bewegungsapparates erzielt die Akupunktur hervorragende Resultate. Im Humanbereich ist sogar bei seelischen Störungen die TCM hilfreich.

Massagen oder Dehnübungen, die der Patientenbesitzer zum Teil nach Anweisung ohne mich weiter anwenden kann, z.B. einfache Meridianmassage während des Putzens, ergänzen eine Akupunkturbehandlung sinnvoll.

Dry Needling

Dry Needling (trockenes Nadeln) ist eine spezielle Akupunkturtechnik zur Behandlung myofaszialer Triggerpunkte mittels steriler Akupunkturnadeln. Da es sich beim Dry Needling um eine invasive Technik handelt, kann es beim Pferd als Ergänzung zu anderen Therapieverfahren und speziell zur manuellen Triggerpunkttherapie angewendet werden. Das Dry Needling entstand aus klinischen Beobachtungen bei Injektionen mit Lokalanästhetika (Neuraltherapie), bei denen festgestellt wurde, dass auch die trockene Nadelung nach verbrauchtem Lokalanästhetikum therapeutische Wirkung zeigte. Nicht die Injektion ist für den Erfolg der Triggerpunktbehandlung verantwortlich, sondern der Stich an sich direkt in den Triggerpunkt ist wirksam. Patienten mit chronischen oder auch akuten myofaszialen Schmerzen reagieren oft sehr gut auf die Anwendung von Dry Needling.

Dry-needling-Techniken

Beim Dry needling wird zwischen der sogenannten intramuskulären Stimulation (IMS) und der superfiziellen Afferenzstimulation (SAS) unterschieden. Die IMS ist das „eigentliche“ Dry needling, bei welchem die myofaszialen Triggerpunkte (MTrP) gesucht und direkt mit der Nadel behandelt werden. Beim SAS werden die Nadeln nur oberflächlich in die Haut gestochen.

Intramuskuläre Stimulation (IMS)

Einer der ersten Anwender von IMS war Chan Gunn. Er entwickelte den sogenannten Gunn-Approach. Dabei wird nicht direkt auf die Triggerpunkte gezielt, sondern der ganze Muskel behandelt, mit dem Ziel der allgemeinen Muskelentspannung. Später hat sich aus dem Gunn-Approach das Triggerpunktmodell des Dry Needling entwickelt, bei welchem die klinischen Diagnosekriterien für myofasziale Triggerpunkte angewendet werden. Dazu gehören:

  • die Reproduktion der Symptome des Triggerpunktes
  • der Hartspannstrang
  • die lokale Druckdolenz innerhalb des Hartspannstranges
  • die übertragenen Schmerzen ausgehend von myofaszialen Triggerpunkten
  • die lokale Zuckungsantwort des Hartspannstranges bei mechanischer Stimulation

Man unterscheidet in der praktischen Anwendung zwei Techniken, die dynamische und die statische intramuskuläre Stimulation.

Dynamische intramuskuläre Stimulation

Dabei wird der Hartspannstrang mit der Nadel zuerst kegelförmig gesucht. Wenn dieser gefunden ist, wird der Hartspannstrang solange punktiert, bis die lokale Zuckungsreaktion nachlässt. Viele menschliche Patienten empfinden das als „Wohlschmerz“ und lösend, ähnlich wie das Gefühl des Knackens bei einer Gelenkmobilisation.

Statische intramuskuläre Stimulation

Der Unterschied zur dynamischen IMS ist, dass die Nadel, sobald der myofasziale Triggerpunkt gefunden wurde, an der Stelle belassen wird. Dabei kann ein krampfartiges Gefühl ähnlich dem aus der Akupunktur bekannten De-Qi-Gefühl entstehen. Es ist wichtig, die Nadel solange im Hartspannstrang zu lassen, bis der lokale Krampf nachlässt.

Superfizielle Afferenzstimulation (SAS)

Die der superfizielle Afferenzstimulation werden die Nadeln nur wenige Millimeter über den myofaszialen Triggerpunkt in die Haut eingestochen und für einige Minuten belassen. SAS ist u.a. geeignet, um das Pferd an die Nadeln zu gewöhnen.

Mögliche Wirkungsmechanimen

Die Wirkung von IMS und SAS sind nicht die gleichen. Es gibt wissenschaftliche Hinweise dafür, dass es bei der IMS durch die von der Nadel ausgelösten lokalen Zuckungsreaktionen zu einer Veränderung des lokalen biochemischen Milieus des myofaszialen Triggerpunkts kommt. Bestimmte Verfahren haben gezeigt, dass es nach Dry Needling zu einer Senkung der Konzentration verschiedener entzündungsverursachenden vasoaktiven Substanzen kommt. Es stellt sich somit ein analgetischer und daraufhin tonussenkender Effekt der SAS ein.

Indikationen und Kontraindikationen

Die Indikation der intramuskulären Stimulation ist die Behandlung von Triggerpunkten. Die Indikation der SAS ist weiter gefasst: Triggerpunkte, Ansatztendopathien, Narbenschmerzen  und andere Schmerzen des Bewegungsapparates. Zu den Kontraindikationen gehören:, lokale Hautirritationen, Lymphödeme, mangelnde Nadelakzeptanz beim Pferd, Hämatom, reduzierter Allgemeinzustand, starke Neigung zu Blutungen.

Mögliche Komplikationen

Wenn Dry Needling fachgerecht, mit überdurchschnittlich guten dreidimensionalen, Anatomiekenntnissen und unter Beachtung der Kontraindikationen und Hygienekriterien angewendet wird, dann ist Dry Needling eine sichere, komplikationsarme, reflextherapeutische Maßnahme. Zu den möglichen harmlosen Komplikationen gehören ein kleines lokales Hämatom, ein muskelkaterähnlicher Nachbehandlungsschmerz, der 3–5 Tage andauern kann und sehr selten vegetative Reaktionen. Bei unsachgemäßer Anwendung allerdings kann es zu schwereren Komplikationen kommen.
Quelle: Wikipedia und eigene Erfahrungen

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